anmeldung.html#loginerror
anmeldung.html#activationerror

Wie motiviere ich mein Kind?

Schon die Frage ist falsch gestellt:
Leistungsbereitschaft – auch und gerade für die Schule – kann man nicht von außen herstellen, sondern allenfalls zerstören. Motivation ist immer Selbst-Motivation. Eltern können und sollten ihren Kindern jedoch helfen, Freude und Sinn in den Schularbeiten zu entdecken.

Der sechzehnjährige Max sitzt stundenlang vor dem PC, liest Technik-Magazine und verfolgt die neuesten Trends der Computerbranche. Das einzige Buch, das er im letzten Jahr gelesen hat, war ein Software-Handbuch.

Entsprechend dürftig sind seine Deutsch- und Englischnoten. Sein jüngerer Bruder hingegen ist ein Bücherwurm; er verbringt schon im Alter von zwölf Jahren ganze Nachmittage lesend auf dem Sofa. Mit technischem Spielzeug hingegen kann man ihn jagen und die Mathe-Hausaufgaben erledigt er höchst widerwillig. Und die achtjährige Schwester der beiden liebt das Malen. Stundenlang sitzt sie in sich versunken über ihren Farben und hält nicht eher inne, bis das Ergebnis ihren Anforderungen gerecht wird.

Jeder Mensch ist motiviert

Dies Beispiel zeigt zweierlei.
Erstens, und ganz allgemein gesprochen, gilt:
Jeder Mensch ist motiviert. Wir sind nicht dafür geschaffen, tatenlos herumzusitzen: Wir brauchen Beschäftigung. Fällt es nicht auch Ihnen schwer, einmal zwei Stunden gar nichts zu tun?
Zweitens: Die Motivation zu konkreten Tätigkeiten ist bei jedem Menschen verschieden. Dinge, die der eine hasst, macht sich der andere zum Hobby. Warum ist das so? Und von welchen Faktoren wird die Motivation des Einzelnen beeinflusst?

Zunächst einmal erwächst Motivation aus jeder Person selbst. Sie wird beeinflusst von den inneren Vorlieben, Wünschen, Talenten, Bedürfnissen und Einstellungen jedes Einzelnen.

Darüber hinaus spielt aber auch die Umwelt, d.h. die Situation, in der sich eine Person befindet, eine Rolle. Die Frage, ob sich Ihr Kind am Sonntagabend auf den Montagmorgen in der Schule freut, kann abhängen vom „Klassenklima“, also dem Verhältnis zu Mitschülern und Lehrern, von Anreizen wie guten Noten, Lob und Anerkennung oder auch von den Arbeitsbedingungen in der Schule (gepflegtes Gebäude, gute Ausstattung).

Es scheint also so zu sein, dass die Motivation eines Menschen von außen beeinflussbar ist. Aus dieser Tatsache ziehen Eltern, Lehrer wie auch Manager in der Wirtschaft jedoch häufig die falschen Schlüsse. Sie fragen nicht mehr nach der Eigenmotivation, also „Warum handelt mein Sohn/Schüler/Mitarbeiter?“, sondern überlegen stattdessen: „Wie schaffe ich es, dass er tut, was ich für richtig halte?“ Sie schaffen Anreizsysteme, um ein bestimmtes Verhalten zu fördern und unerwünschtes Handeln zu verhindern, etwa durch Belobigung, Benotung, Bezahlung. Für diese Art der Motivation wird in der Literatur der Begriff der „extrinsischen Motivation“ verwendet: Leistung ist nicht in sich selbst belohnend („intrinsisch“), sondern wird von außen und/oder im Nachhinein belohnt.

Motivation kommt von innen – von außen kommt oft nur Manipulation

 Der Management-Berater Reinhard K. Sprenger hält ein solches Vorgehen weniger für Motivation, als vielmehr für Manipulation. Der Gedanke, dass Menschen von sich aus nicht bereit seien, ihre volle Arbeitskraft einzubringen, und dass Elternhaus, Schule oder Management deshalb die Aufgabe hätten, für die notwendige Motivation zu sorgen, zeugt laut Sprenger von einem negativen Menschenbild.

Motivation kommt von innen - von außen kommt oft nur Manipulation

Nach Sprengers Auffassung kann ein solches Motivierungsmodell nicht dauerhaft funktionieren. Menschen seien zwar beeinflussbar, aber nicht steuerbar. Selbst bei äußeren Anreizen entscheide weiterhin jeder Einzelne, ob das Angebot von außen reizvoll sei, und handele dementsprechend aus eigenem Antrieb.
Sprenger schreibt: „Im strengen Sinne gibt es keine extrinsische Motivation. Nur Motivierungsversuche, die manchmal und kurzfristig Wirkung zeigen. Aber niemals dauerhaft Motivation erzeugen.

Denn Motivation ist immer Eigenleistung des Einzelnen, ist immer selbstinitiativ.“

Sind damit alle Versuche zum Scheitern verurteilt, einen computerfanatischen Teenager dazu zu bewegen, ein Buch zur Hand zu nehmen?
Ganz sicher nicht. Eines müssen wir jedoch im Auge behalten: Es reicht nicht aus, dass wir als Eltern das Beste für unsere Kinder wollen. Sie müssen es für sich selbst wollen.

Die entscheidende Frage lautet also nicht:
Wie motiviere ich mein Kind? Sondern:
Wie motiviert sich mein Kind selbst? Oder anders:
Wie findet mein Kind einen solchen Zugang zu einer Aufgabe, dass es deren Bewältigung als aus sich selbst heraus wertvoll und belohnend (=intrinsisch) empfindet?

Motivation ist die Suche nach Freude und Glück

Das klingt einleuchtend, doch drängt sich sogleich die Anschlussfrage auf: Ist es nicht zu viel verlangt, von jeder Aufgabe im Leben, auch und gerade in der Schule, zu erwarten, dass sie als wertvoll und belohnend wahrgenommen wird, also im weitesten Sinne „Freude macht“?

Ist das alte Sprichwort „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ wirklich so falsch? An dieser Stelle lohnt ein Blick auf die grundlegende Frage, was „Freude“ eigentlich bedeutet und in welchen Situationen sich Menschen glücklich fühlen.

Suche nach Freude und Glück