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Morgenpost: Versetzt zum Schulanfang

26.08.2010

Nachprüfung - Versetzung zum Schulanfang

Donnerstag, 26. August 2010 02:37  - Von Nina Trentmann

Von wegen Ferien! Während ihre Mitschüler die vergangenen sechs Wochen im Urlaub oder im Freibad verbrachten, musste Nastassia Tikhnovetskaja lernen. Jeden Tag, von halb neun Uhr morgens an. "Das war ganz schön anstrengend", sagt die 14-Jährige aus Wilmersdorf.

Der Grund für die Ferienlernerei: Nastassia hatte drei Fünfen auf ihrem Zeugnis und wäre eigentlich sitzen geblieben, hätte sie nicht eine Nachprüfung in Mathe gemacht. Wie ihr ging es vielen Berliner Schülern: Bei ihnen fing das neue Schuljahr mit einer Prüfung an. Nastassia hat es geschafft, mit guten Noten.

"Ich war wahnsinnig aufgeregt", sagt die Schülerin. Freitag und Montag musste sie ihrer Lehrerin und der Schulleitung zeigen, dass sie doch eine bessere Note als die Fünf in Mathematik verdiente. Die Nachprüfung besteht an Berliner Schulen aus einer schriftlichen Klausur und einer mündlichen Prüfung. Nastassia musste sich zu Beginn der Sommerferien schriftlich anmelden, ihre Mathelehrerin und die Schulleitung mussten offiziell ihr "Okay" für die Nachprüfung geben. "Die Klausur war wirklich nicht so schwer", sagt Nastassia. Sie klingt erleichtert, immer noch. Die neunte Klasse an ihrer Schule, der Marie-Curie-Oberschule, wiederholen zu müssen - diese Vorstellung hatte sie in den vergangenen Wochen geplagt.

Lernen statt sitzen bleiben

"Da habe ich lieber meine Ferien geopfert", sagt Nastassia. Vier Wochen lang ging sie täglich zur Nachhilfe ins Lernwerk, einer privaten Nachhilfeschule in Wilmersdorf. Im Einzelunterricht wurde der Stoff des vergangenen Schuljahrs wiederholt. "Üben musste ich dann zu Hause", sagt Nastassia. Die Berliner Morgenpost hatte die Schülerin während der Ferien schon einmal bei ihrer Nachhilfe besucht. "Ich will das unbedingt schaffen", sagte Nastassia damals. In der letzten Ferienwoche schrieb die Schülerin zum Abschluss des Wiederholungskurses mehrere Probeklausuren, die "alle viel schwerer waren als die echte".

Vor allem vor der mündlichen Prüfung war Nastassia aufgeregt. "Ich hatte mich extra ordentlich angezogen", sagt Nastassia, die mit Bleistiftrock und Bluse vor dem Prüfgremium erschien. "Ich habe mich vorgestellt und bekam dann ein Arbeitsblatt." Nach einer kurzen Bearbeitungszeit musste Nastassia erklären, wie sie die Aufgaben lösen würde. Der Satz des Pythagoras saß, nur beim Thema "Ähnlichkeiten" war Nastassia etwas unsicher. "Ich hätte mir denken können, dass das drankommt", sagt sie.

Dank des breiten Lächelns der Mathelehrerin habe sie aber ein gutes Gefühl gehabt. "Das hat mir schon geholfen." Nach 20 Minuten war die mündliche Prüfung vorüber, es folgten fünf lange Minuten des Wartens, in denen die Prüfer die Note festlegten. "Das waren Höllenqualen." Nastassia lacht erleichtert. Ihre Freunde hätten draußen vor der Schule auf sie gewartet, erzählt sie.

An sich selbst glauben

Wie viele Schüler in diesen Sommerferien eine Nachprüfung absolviert haben, kann die Senatsverwaltung für Bildung nicht feststellen. Seit 2008 wird diese Zahl nicht mehr erfasst. In dem Jahr waren es 1198 Nachprüfungen bei rund 240 000 Schülern gewesen. Am Wochenende feiert Nastassia mit einer großen Party, dass sie die Versetzung in die zehnte Klasse geschafft hat. "Das wird super", sagt sie und lächelt. Sie glaubt, dass sie nicht nur wegen der Wiederholung und regelmäßigen Übens die Nachprüfung geschafft hat, sondern weil sie das Credo ihres Nachhilfelehrers befolgt hatte: Glaub an dich selbst! "Das habe ich gemacht, da konnte gar nichts schiefgehen", sagt die Schülerin.