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Durchstarten nach dem Zwischenzeugnis

18.01.2011

Tipps für Schüler und Eltern von Lernwerk-Expertin Swantje Goldbach in der aktuellen Ausgabe von "ELTERN family".

ELTERN family 02 /2011 (S. 84f.)

„Mein Zeugnis ist ganz okay. Wenn ich aber mal ein schlechtes Zeugnis bekommen sollte, falte ich daraus sofort ein Papierflugzeug und lass es wegfliegen.“ (Jan, 8 Jahre)

ZWISCHENZEUGNIS

Neustart im zweiten Halbjahr

 

Swantje Goldbach hat als Lehrerein gearbeitet und ist Gründerin der Reformnachhilfeschule Lernwerk in Berlin. Hier ihre wichtigsten Tipps

  1. Startschwierigkeiten? Bloß keine Panik!

    Unglückliche Kinder und verzweifelte Eltern erlebe ich bereits in den ersten Klassen. Die typische Situation: Vor der Einschulung sind Eltern wunderbar locker, weil das Kind im Kindergartenalter vorn dabei war. Danach reagiert man viel empfindlicher, zum Beispiel, wenn es nicht so schnell Schreiben lernt wie andere.

    Mit etwas Abstand betrachtet ist das keine große Sache: Kompetenzen entwickeln sich in den verschiedenen Bereichen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das erleben Eltern von Anfang an: Während einige Zweijährige bereits in ganzen Sätzen plapperten, behalf sich das eigene Kind vielleicht noch mit wenigen Wörtern.

    Der wesentliche Unterschied zwischen damals und heute: Es wäre uns nicht im Traum eingefallen, zu unserem Kleinkind zu sagen: „Nun sprich endlich, Franzsika, sprich!“ Wir haben einfach darauf vertraut, dass Franziska früher oder später sprechen wird.

    Mit der Schultüte verschwindet dieses Vertrauen. Panik tritt auf, sobald man von der Lehrerin die Rückmeldung erhält, dass etwas nicht reibungslos klappt. Man übt, man kümmert sich – und erreicht letztlich wenig. Denn gleichzeitig spürt das Kind: „Da läuft etwas schief zwischen Mami und mir.“ Und: „Ich kann das wohl nicht!“ Aus dieser Erkenntnis folgt oft ein dritter Gedanke: „Dann will ich das auch nicht!“ Was wiederum bedeutet, dass das Kind – vor allem, wenn es ein Junge ist! – einen Riesenzampano macht, wenn es ans Lernen geht.

    Gut zu wissen: Falls Sie Ihr Kind nicht wiedererkennen, sobald es vor den Hausaufgaben sitzen, nehmen Sie es ihm nicht länger übel. Es wütet aus gutem Grund: Es will in Ihren Augen toll und stark wirken und nicht wie einer, der in der Schule ohne Ihre Hilfe nicht klarkommt. Deshalb heißt das erste Gebot: Schule ist Sache des Schülers. Sie können Ihrem Kind keinen größeren Gefallen tun, als diesen Satz Tag für Tag aufs Neue zu beherzigen – auch wenn es aus eigener Kraft vielleicht nicht die gewünschte Schulform nach Klasse 4 erreichen kann.
     
  2. Oje, der Übertritt! Welche Empfehlung ergattert mein Kind?

    Was jetzt kommt, ist vielleicht nicht das, was Sie hören möchten. Aber nach 20 Jahren Berufserfahrung kann ich sagen, dass ich es noch nicht erlebt habe, dass aus einem gepushten Kind ein erfolgreicher, glücklicher Erwachsener wurde. Alles zielt aufs Abitur, und ist es dann endlich in der Tasche – ja, was dann? Weiterpushen?

    Anders als Eltern sich das gern vorstellen, sind jetzt nicht mit einem Schlag alle Probleme gelöst. Dem Kind fehlt der Glaube an sich selbst, da es nie gelernt hat, aus der eigenen Kraft zu schöpfen. Das lässt sich mit einem Auto ohne Motor vergleichen – auch das bewegt sich nur, wenn es geschoben wird. Deshalb: bitte auf keinen Fall schieben, sondern nur Hilfe anbieten.
     
  3. Ständiger Lernstress? Schule ist Kindersache!

    Wenn Ihr Kind Sie um Unterstützung bittet, ist Helfen jederzeit erlaubt. Ein Punkt sollte jedoch grundsätzlich geklärt sein: „Auf keinen Fall gibt es Streit zwischen uns!“ Und: „Falls wir uns doch streiten, brechen wir sofort ab.“ Gelernt wird nur, wenn die Stimmung gut ist, alles andere ist nämlich Zeitverschwendung.

    Außerdem ist es in Ordnung, wenn Sie Ihrem Kind hin und wieder zeitraubende Fleißarbeiten abnehmen – allerdings nicht umsonst, sondern nach dem Motto: „Welche Gegenleistung erhalte ich von dir, wenn ich dir deine Sachunterrichtsmappe vor der Abgabe noch ein bisschen schick mache?“

    Erfahrungsgemäß springen Eltern oft kostenlos in die Bresche. Das ist zwar nett gemeint, aber so hat das Kind keine Chance, dieses Engagement mit einer eigenen Anstrengung zu quittieren.

    Genauso wichtig: Überfordern Sie sich nicht! Die Zeiten haben sich verändert, der Druck ist für Eltern und Kinder gestiegen. Wir selbst sind früher mittags nach der Schule nach Hause gekommen, haben lässig die Hausaufgaben gemacht, weil man damit passabel durchkommen konnte, und hatten den Nachmittag Zeit für uns. Heute ist es meist so, dass am frühen Abend zwei Müde aufeinandertreffen. Und dann soll noch ein Lernwunder geschehen? Unmöglich!

    Zeugnisse gibt’s nicht mehr im Einheitslook. Doch egal, wie sie aussehen, sie machen immer noch das Gleiche: bewerten
     
  4. Katastrophe im Zwischenzeugnis?

    Der beste Ansatz: sich zusammensetzen und überlegen  - woran hat es gelegen? Konkret helfen dabei zum Beispiel folgende Fragen:
  • „Gibt es Gedanken, die dich am Lernen hindern? Ich nenne dir mal ein paar Beispiele: ‚Das lerne ich nie!‘, ‚Das bringt jetzt sowieso nichts mehr!‘ Oder: ‚Dazu bin ich zu dumm!‘ Kennst du so etwas?“
  • „Wenn ja: Hast du eine Idee, wie du dich aus dieser negativen Gedankenspirale befreien kannst? Eine Möglichkeit: Du versuchst, positive Erfahrungen aus Bereichen zu übertragen, in denen du dich stark und sicher fühlst. Etwa ‚Im Fußball habe ich auch schon Krisen überwunden, also schaffe ich das in der Schule auch!‘ Wie könnte ein ähnlicher Satz lauten, der zu dir passt?“
  • „Was können wir Eltern tun, um dich darin zu unterstützen, die Dinge wieder positiv zu sehen? Ich könnte mir vorstellen, dass wir vielleicht zu viel Druck machen, ganz unbewusst. Was meinst du? Sollten wir künftig weniger über die Schule und mehr über andere Themen sprechen?“
  • „Was hilft dir, deinen inneren Schweinehund zu überwinden, wenn es um den Lernstart geht? Etwa: Leise [sic!] Musik hören, in einer Gruppe arbeiten, gemeinsam mit einem Freund oder einer Freundin lernen?“
  • „Was hilft dir in einer Arbeitsphase beim Dranbleiben? Zum Beispiel Internet und Handy ausschalten. Einen Wecker stellen, der zur Pause klingelt. Aber du hast bestimmt selbst gute Ideen!“
  • „Gibt es eine Lerngruppe, der du dich gern anschließen würdest? Falls du keine kennst, aber gern so arbeiten würdest – kannst du eventuelle selbst eine ins Leben rufen? Wen würdest du ansprechen?“
  • „In welchen Fächern konntest du dich mit geringer Anstrengung verbessern? Hier ist es wichtig, am Ball zu bleiben und so viel Energie reinzustecken wie möglich. Das wird sich positiv und sofort auf deinen Lernerfolg auswirken!“

Anke Leizgen

 

und hier nochmal der Artikel als PDF zum Download