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Märkische Allgemeine: Büffeln statt baden

20.06.2012

Um unsere Sommerferienkurse geht es im Artikel „Büffeln statt baden“ in der aktuellen Ausgabe der Märkische Allgemeine, den Sie sich hier direkt ansehen können.

POTSDAM - Sommer, Sonne, Seminar. Was man früher hauptsächlich aus amerikanischen High-School-Filmen kannte, wird zunehmend auch hierzulande beliebt. Wenn heute die märkischen Schüler ihre Zeugnisse bekommen, ist für viele das Thema Schule nicht abgehakt. Jedes zweite Kind in Deutschland büffelt auch in den Ferien, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage für das OnlineLernportal Scoyo zeigt. 41 Prozent der Eltern geben an, dass ihre Kinder generell in den Ferien lernen. Von weiteren 16 Prozent sitzt der Nachwuchs am Schreibtisch, wenn die Noten mies waren.

„Der Trend zu Ferienkursen ist seit Jahren steigend“, bestätigt Claudia Hamboch, Sprecherin der Nachhilfeschule Lernwerk mit sechs Standorten in Berlin und Potsdam. Seit den schlechten Pisa-Ergebnissen schickten mehr Eltern ihre Kinder zur Nachhilfe. Das Lernwerk in der Landeshauptstadt hat für die Ferien schon 80 Anmeldungen. 80 Prozent der Lernwilligen sind Grundschüler. Vor allem angehende Sechstklässler büffeln in den Ferien, sagt Hamboch denn das Zwischenzeugnis im neuen Schuljahr ist entscheidend für die Gymnasialempfehlung.

Ein Renner in Potsdam ist auch der einwöchige Kurs „Gut vorbereitet in die 10. Klasse.“ Das Jahr vor dem Wechsel in die Oberstufe verlange den Schülern viel ab. Wer da mit Lücken starte, verliere schnell den Anschluss, meint Claudia Hamboch. Sie rechnet mit weiteren Anmeldungen in den kommenden Tagen. „Viele Eltern ahnen noch gar nichts. Da kommt das Erwachen erst heute bei der Zeugnisausgabe.“

Auch andere Institute können nicht klagen. „Die Nachfrage nach Ferienkursen ist seit Jahren stabil“, sagt Sabine Angelkorte, Sprecherin der Schülerhilfe, die in fast allen Brandenburger Städten vertreten ist. Mathematik, Englisch und Deutsch sind die am häufigsten gebuchten Kurse. „Die Nachfrage ist konstant hoch“, sagt auch Thomas Momotow, Sprecher der Studienkreis GmbH mit 34 Standorten in der Mark. Die Mehrzahl der Nachhilfeschüler sei zwischen 11 und 15 Jahre alt. 50 Prozent kommen vom Gymnasium, 30 Prozent von der Grundschule. Nicht nur Lücken in Problemfächern können die Kinder bei der „Summer School“ schließen, auch Kurse zur Stressbewältigung und zum Zeitmanagement werden angeboten.

Ob lernen in den Ferien nicht erst recht Stress erzeugt, ist dabei umstritten. „Auch wenn das Zeugnis schlechte Noten aufweist, sollten Eltern ihre Kinder nicht zum Lernen zwingen“, sagt Andrea Heiliger, Sprecherin des Bundesverbands Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN). Wichtig sei, dass das Kind in der ersten Ferienhälfte völlig abschaltet. In der zweiten Hälfte könnten dann aber kleine Lerneinheiten absolviert werden. „Mit 90 Minuten Unterricht pro Tag bleibt noch genügend Zeit fürs Freibad“, ergänzt Angelkorte.

„Jedes Kind mit schlechten Noten weiß genau, dass es in den großen Ferien eigentlich üben muss. Tut es das nicht, vermiest einem das permanent schlechte Gewissen den ganzen Sommer“, meint auch Swantje Goldbach, Pädagogische Leiterin beim Lernwerk. Die Ferien seien ideal, um Basiswissen aufzuarbeiten, wofür im stressigen Schulalltag oft gar keine Zeit bleibe.

Klaus und Annemarie Klemm sehen das kritischer. Nachhilfe ist ein teurer und unfairer Ausgleich für fehlende individuelle Förderung in der Schule, sagen die Bildungsforscher, die auch an der Pisa-Studie mitgearbeitet haben. Die starke Nachfrage nach Zusatzunterricht ist für sie ein Alarmsignal dafür, dass Eltern mit dem Schulsystem unzufrieden sind. Inzwischen ist eine richtige Nachhilfe-Industrie entstanden, wie die beiden Experten in ihrer Studie für die Bertelsmann-Stiftung belegen: 1,5 Milliarden Euro im Jahr geben Eltern in Deutschland für die Förderung ihres Nachwuchses aus. Die Hilfe von Geschwistern oder Klassenkameraden ist dabei nicht mehr so gefragt: 30 Prozent des außerschulischen Lernens werden bereits von kommerziellen Anbietern abgedeckt.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Ländern. Während Familien in Baden-Württemberg für Nachhilfe durchschnittlich 131 Euro im Jahr hinblättern, sind es in Brandenburg 89 Euro und in Mecklenburg-Vorpommern nur 74 Euro. Für einen Ferienkurs sind Eltern schnell mal 200 Euro los. Das Bildungspaket des Bundes für Hartz-IV-Empfänger nützt in diesem Fall nichts. Nur akut versetzungsgefährdete Schüler können den Zuschuss in Anspruch nehmen.

Dennoch sollte man aufs Lernen in den Ferien nicht ganz verzichten, meint Heidrun Weinert. „Sechs Wochen Pause sind vor allem für jüngere Kinder sehr lang, der erste Schultag nach den Ferien ist für viele dann ein Schock“, sagt die Schulpsychologin aus Oranienburg.

Lernschwache Schüler bräuchten eine Vorlaufphase von ein bis zwei Wochen, um gut ins neue Schuljahr zu starten. Stundenlanges pauken muss es dabei gar nicht sein. Die Psychologin rät zu Lernspielen. Sogar der Computer ist erlaubt – wenn auf ihm Ergänzungsprogramme zu Lehrwerken laufen. Oder, ganz günstig: Im Freibad einfach mal ein Buch lesen. (Von Marion Kaufmann)

Der Artikel auf den Seiten der MAZ